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| Geschichte des Geschlechtes Stael von Holstein
(* Die Grafen von Hochstaden und Are sind nach neuestem Forschungsstand eine Seitenlinie des Rheinischen Pfalzgrafengeschlechtes, dessen bekanntester Vertreter Ezzo 991 die Tochter Mathilde des Kaisers Otto II., des Sohnes Otto des Großen, heiratete). Mit Hermann Vlekke de Are, 1236 - 1259 Mundschenk des Erzbischofs von Köln, nannten sich die Ritter Vleckes nach der Burg Holstein im Bröltal, die sie vom Grafen von Spornheim (Sayn) zu Lehn trugen, Flecke von Holstein. Die Burg Holstein musste schon im späten 13. Jahrhundert in Folge zahlreicher Fehden zerstört gewesen sein, trotzdem verblieb dem Geschlecht dieser Zuname. Der ursprüngliche Familienname Flecke wurde durch den Übernamen Stael, der 1282 zuerst erscheint, verdrängt .
Dort geriet Theodericus in Gefangenschaft des Grafen Walram von Jülich und löste sich 30.11.1289, indem er ihm seine Höfe Langwit; Berghausen (Staelshof) und Merac im Kirchspiel Richrath und Schleiden (zu Monheim) zu Lehen auftrug. In mehreren Urkunden findet sich das Siegel von Theodericus mit 8 Kugeln am Schildrand. Henricus dictus Stail de Holstein - 1282 Ritter von Oustorp, 1290 Ministerial des Grafen von Berg. In einer Urkunde vom 08.08.1290 entlassen die Brüder und Ritter "Henricus et Theodericus Fleckones jun. et Henricus dictus Stail" den in einer Fehde gefangenen Grafen Dietrich von Limburg aus der Gefangenschaft und schwören dem Grafen Adolph von Berg Treue. . Tilmann Stail von Holstein Flecke - Ritter, Burggraf von Köln, erschlagen 1333 zusammen mit zwei Söhnen von Kölner Bürgern, wofür die Stadt an die Erben einen hohen Betrag zu Sühne zahlen musste; bestattet im Kloster Weyer bei Köln. Lutter Stail von Holstein - erwähnt 1333 - 1363, Ritter, Herr zu Langquaden, Rat des Grafen von Berg. Die Stael von Holstein breiteten sich in der Grafschaft Berg und seit dem 15. Jahrhundert auch im Herzogtum Westfalen aus, wo sie erst im 19. Jahrhundert erloschen sind.
Luther Stael von Holstein - Ritter, Herr zu Steinhausen, 1462 Amtmann von Bochum. Robert Stael von Holstein - Ritter, Herr zu Heisingen, 1494 Rat des Herzogs von Cleve, stiftet 1474 die Kapelle in Heisingen. Hardenberg Stael von Holstein zu Steinhausen stiftet um 1520 den Altar der Hl. Anna in der Johanniskirche zu Witten. Das Auftreten der Stael von Holstein in Livland ist mit den mittelalterlichen Kreuzzügen des Deutschen Ritterordens ins Baltikum verbunden.
Während des Livländischen Krieges des Ordenslandes gegen Iwan den Schrecklichen geriet Hildebrand Stael von Holstein in russische Gefangenschaft, wurde nach Moskau verschleppt und kehrte erst nach 7 Jahren zurück, wonach er dann auch verstarb. Seine Söhne Hans und Matthias, die mit einer Stammwappenvariante siegelten, wurden zu den angesehensten Bürgern von Pernau. Nach dem Krieg gegen die Moskowiter und dem Zerfall des Ordenslandes in Livland und Estland begründete Hans, Altermann der Großen Gilde zu Pernau, die livländische Linie und Matthias, Bürgermeister von Pernau, - die estländische Linie der Stael von Holstein, welche seit dem 18.Jahrhundert auch in Schweden blüht.
1629 wurden Livland und Estland schwedisch und viele Stael von Holstein kamen in die Dienste der schwedischen Könige. Richard Stael von Holstein - Königlicher schwedischer Lieutenant zu Pferde, gefallen vor Riga 1656. Mathias Stael von Holstein - Königlicher schwedischer Major zu Pferde, gefallen. Hans (Johann I.) Otto Stael von Holstein (ca. 1610 - 1688) - Königlicher schwedischer Lieutenant, Herr zu Paixt (Staelenhof).
Johann II. Stael von Holstein (gest. um 1723) - Königlicher schwedischer Hauptmann, Herr zu Paixt. Mathias Gustav Stael von Holstein (1666 - 1720) - Königlicher schwedischer Oberstleutnant des Infanterieregiments, gestorben in russischer Gefangenschaft in Jaroslaw. Johann Heinrich I. Stael von Holstein (1678 - 1754) - Königlicher schwedischer Hauptmann, Herr auf Staelenhof, Kurkund und Laikear.
Otto Wilhelm Stael von Holstein (1668 - 1730) - Königlicher schwedischer General-Major, Kommandant für Holsteinsche Infanterie. Jakob Axel Stael von Holstein (1680 - 1730) - Königlicher schwedischer Oberst, berüchtigt durch das Duell mit dem dänischen Seehelden Admiral Tordenskjold.
Fabian Ernst I. Stael von Holstein (1672 - 1730) - Herr auf Kujen (Livland), Hannijöggi und Jegelecht (Estland), Königlicher schwedischer General-Adjutant, 1705 - 1706 Ritterschaftshauptmann, Landrat, Teilnehmer der Schlacht von 28. - 29.09.1708 bei Lesnaja gegen die Truppen Peter des Großen; unterschrieb 29.09.1710 die Kapitulation der estländischen Ritterschaften mit dem russischen General-Leutnant R. F. Bauer. Nach der Niederlage Karl XII. im großen Nordischen Krieg kamen die baltischen Provinzen unter Kontrolle Peter des Großen. Der Zar bestätigte die Rechte und Privilegien der Ritterschaften und zog die Deutschbalten in führende Positionen des russischen Reiches. Im 18. und im 19. Jahrhundert finden sich viele Vertreter des Geschlechtes als Offiziere der Kaiserlichen russischen Armee, Kammerherren und Hofmeister der Zaren in der neuen russischen Hauptstadt Sankt Petersburg. Johann Heinrich II. Stael von Holstein (1721 - 1786) - Herr auf Kurkund und Kaipen (Livland), Kaiserlicher russischer Leutnant. Fabian Ernst II. Stael von Holstein (1727 - 1772) - Herr auf Hannijöggi, Jegelecht; Känick, Rumm, Kotzum und Assick (Estland), Kaiserlicher russischer Rittmeister, estländischer Ritterschaftshauptmann. Johann Erich Stael von Holstein (1777 - 1845) - Herr auf Staelenhof (Paixt), Uhla, Surri, Kaiserlicher russischer Leutnant, Ordnungsrichter, Kreisdeputierter in Pernau. Johann Alexander (Iwan Karlowitsch) Stael von Holstein (1798 - 1868) - Herr auf Kotzum, Rumm und Känick, Kaiserlicher russischer General der Kavallerie, General-Adjutant. Wilhelm Paul Stael von Holstein (1799 - 1856) - Kaiserlicher russischer Rittmeister. Nikolai (Nikolai Alexandrowitsch) Baron Stael von Holstein (1833 - 1887) - Herr auf Nikolskoje (Gouvernement Kursk), Kaiserlicher russischer General-Leutnant der Kavallerie. Anatol (Anatolij Alexandrowitsch) Baron Stael von Holstein (1834 - 1898) - Herr auf Alexejewskoje (Gouv. Woronez), Titularrat.
August Johann Baron Stael von Holstein (1844 - 1897) - Herr auf Testama, Doktor der Philosophie, Johanniter, Kaiserlicher russischer Rat, Beamter für besondere Aufträge beim Finanzministerium in Sankt Petersburg. Constantin (Constantin Borissowitsch) Baron Stael von Holstein (1853 - 1912) - Kaiserlicher russischer Staatsrat und Kammerherr, russischer Botschafter in Stuttgart. Almanach von Sankt Petersburg "Cour, monde et ville" von 1913 /1914
Meine Urgroßeltern Aus dem Briefwechsel meiner Urgroßeltern:
Rom, Via Ciceroni 35, den 03.03.1911 Euer Hochwohlgeboren! Sehr geehrte Frau Baronin! Gerne würde ich Ihnen eine Abschrift der Urkunden über den Reiterführer Stael von Holstein anfertigen lassen. Aber die betreffenden Stellen sind auf mehreren Blättern des Urkundenbandes zerstreut, während ich sie in meinem Buche zusammengezogen habe in leicht übersehbarer Form... Im übrigen aber will ich die hauptsächlichste Stelle aus dem Urkundenband des vatikanischen Archivs mit dem Bannerherrn von Holstein für Baronesse fotografieren lassen... ...Heute lernte ich übrigens einen jungen russischen Fürsten Durazzo kennen, der mich nächsten Dienstag aufsuchen will. Er erzählte mir, daß seine Familie auch mit den Stael von Holstein verwandt sei. Denken Sie Baronesse, ich erzählte ihm von den beiden Wolffs, die Statthalter des Königs Ludwig von Ungarn waren. Da sagte er mir, daß seine eigene Familie von diesem König oder seinem Vater abstamme. Ist dies nicht merkwürdig? Kennen Sie ihn? Verehrungsvollst grüßend Dr. Karlheinrich Schäfer
Mein Großvater - Reinhold Baron Stael von Holstein (geb. 1892 in Waldhof, Pernau, gest. 1972 in Wiesbaden) als Kadett des berühmten Pagencorps für die Ausbildung der elitären Garde-Offiziere in Sankt-Petersburg (später Kaiserlicher russischer Leutnant). Das Foto von 1910. Aus dem Buch von Leo Trotzki "Geschichte der russischen Revolution" (Band1 "Februarrevolution", Kapitel 20 "Die Bauernschaft"): "...Im Gouvernement Livland entsandte das Kreis-Exekutivkomitee eine Untersuchungskommission in Sachen der Plünderung auf dem Gute des Baron Stael von Holstein. Die Kommission fand die Unruhen unbedeutend, die Anwesenheit des Barons im Kreise gefährdend und verfügte: ihn mitsamt der Baronin zur Verfügung der Provisorischen Regierung nach Petrograd zu schaffen. So entstand einer der zahllosen Konflikte zwischen der Ortsbehörde und Zentralmacht..." In den Jahren 1918-1919 lösten die neuen Republiken Lettland und Estland die Ritterschaften auf und konfiszierten entschädigungslos die Güter der deutschsprachigen Gutsbesitzer. Staelenhof (Paixt)
(Weitere Besitzungen in Livland und Estland - siehe: http://www.stael-von-holstein.de/schloesser_livland_estland.htm ) Schwedische Adelsrennovation - Stockholm 14. Oktober 1652. Adelsmatrikel Livland - 1742 (Nr. 67), Estland - 1746 Russische Anerkennung des Baronstitels (mit Wappenverbesserung) durch Senatsukase vom 08.03.1869 für die estländische Linie und vom 23.02.1881 für die livländische Linie. Aufnahme des Gesamtgeschlechts in das Gothaische Genealogische Taschenbuch des Adels (FA) als „Adelsmatrikel“ zugelassen lt. Entscheidung der Abteilung für adelsrechtliche Fragen - Berlin 20.10.1931 bzw. 06.12.1932, Stammreihen 1936, 1941. |
Stand: 01. September 2010
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